Garage Beer Co. - Craft Beer aus Barcelona

Text: Deniz Jaspersen

In der Geschichte von Firmengründungen hat die Garage einen besonderen Stellenwert. Apple, Disney Microsoft, Harley Davidson und viele mehr haben jeweils in einer Garage angefangen. Davon mal abgesehen haben unzählige Rockbands in der Garage ihrer Eltern geprobt. Aber eben auch viele Brauer haben in Garagen erste Gehversuche unternommen. Ob dieser Mythos bei der Namensgebung eine Rolle gespielt hat kann an dieser Stelle nur gemutmaßt werden. Was wir aber genau wissen, ist das wir uns alle darüber freuen das wir bei unserem nächsten Trip nach Barcelona hervorragendes Bier bekommen. Wer noch nicht da war hat nun wirklich keine Ausreden mehr für einen Kurztrip in die katalanische Hauptstadt. Für die Gründer Alberto Zamborlin und James Welsh ist es ohnehin die schönste Stadt der Welt. Mediterranes Klima, Tapas, Wein, Nachtleben und tolle Strände direkt in der Stadt. Es kommen jedes Jahr unzählige Touristen dorthin, und so ist Barcelona eine kosmopolitische Metropole die viele Einflüsse aufsaugt. Unter den Reisenden sind natürlich auch viele aus Amerika, England und Skandinavien. Die Ansprüche an die Bierqualität sind dort sehr hoch und die Garage Beer Company ist angetreten um genau dort mitzuhalten.

James wurde dieses Handwerk quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater und sein Onkel sind beide Brauer und sein Bruder betreibt einen Pub. Er wurde in einem Brauereibus zur Schule gefahren und hat während der Sommerferien im Brauereishop gearbeitet. Sein Weg schien also vorbestimmt. Seinem Schicksal wollte er zunächst aber noch nicht in die Augen sehen und gründete eine Online-Druckerei. Das ihm die Arbeit irgendwann zu langweilig wurde ist kaum verwunderlich. So formte sich langsam der Gedanke eine eigene Brauerei zu gründen. Dafür brauchte er noch einen Partner. Auf der Suche nach Gleichgesinnten besuchte er eine Brauschule, die von der spanischen Craft Beer Koryphäe Steve Huxley geführt wurde. Dort traf er Alberto, der aus exakt demselben Grund wie er dort war. Die beiden verstanden sich auf Anhieb, schwänzten den Kurs und gingen trinken. Am nächsten Tag trafen sie sich erneut und entschieden eine Brauerei zu gründen.

Zunächst eröffneten sie einen Brewpub, den sie heute als Experimentierlabor nutzen. Darüber hinaus haben sie aber auch eine „richtige“ Brauerei. Ausgestattet mit einer 50HL Anlage haben sie ein jährliches Output von 2700HL. Noch in diesem Jahr werden weitere Gärtanks dazukommen und die Produktion so auf 7500HL hochgefahren. Hinzu kommen 35 Weinfässer in denen heute Biere reifen. Bei ihrer Arbeit genießen vor allem Qualität und Geduld einen hohen Stellenwert. „Jeden Schritt muss man mit der notwendigen Aufmerksamkeit und Sorgfalt zu erledigen. Nur wenn man im Verlauf des ganzen Prozesses die entsprechende Geduld aufbringt kann man ein optimales Bier brauen“ findet James. Für Qualität ist Garage kein Weg zu weit. Abkürzungen sind für sie keine Option und Kosten diktieren hier keine Rezepte. Industriebrauer arbeiten stets daran den Turnaround zu reduzieren, das käme für Garage niemals in Frage. Das geht natürlich zu Ungunsten ihrer Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit, spiegelt sich aber im Geschmack wieder. Genau diese Leidenschaft ist für Garage unverzichtbar um das eigene Überleben zu sichern. Denn obwohl die Brauerei eine stattliche Größe erreicht hat, schreiben sie gerade mal eben schwarze Zahlen. Natürlich würden sie sich wünschen, dass ihnen nicht jeder neue Blick aufs Konto den Schweiß auf die Stirn treibt. Insofern ist Wachstum ein maßgeblicher Faktor der das Überleben der Brauerei sichern soll. Momentan ist die Nachfrage so hoch, dass sie ihre Produktion bereits verkauft haben bevor sie gebraut wird. Ein Indikator dafür, dass sie etwas richtig machen und der ihnen Mut für die Zukunft macht. Bisher exportieren sie 40% ihres Bieres. Es wäre möglich noch mehr ins Ausland zu verkaufen aber ihre Kapazitäten sind komplett ausgelastet. So müssen sie schweren Herzens, regelmäßig Bestellungen ausschlagen. Man könnte fast sagen, dass ihr unausgegorenes Vertriebsmodel sie zu organischem Wachstum zwingt. Das ist beizeiten frustrierend aber ganz sicher die nachhaltigere Strategie.

Neue Impulse bekommen Alberto und James vor allem durch Kooperationen mit anderen Brauereien. Dabei lernen beide Seiten jedes Mal etwas mehr dazu und haben natürlich eine Menge Spaß. In der Vergangenheit haben sie gemeinsam mit Schwergewichten wie Cloudwater Biere gebraucht, aber auch mit den irischen Newcomern von Whiplash zusammengearbeitet. Die Erkenntnisse, die man daraus zieht, helfen Prozesse und Rezepte weiter zu optimieren. Wissen und Erfahrung zu teilen hilft den Craft Beer Brauern dabei in diesem kompetitiven Markt zu bestehen. Denn am Ende des Tages ist Qualität das was den Unterschied macht. Ein gutes Bier vergisst man nicht. Darum muss Craft Beer einfach besser schmecken als das was die industriellen Brauereien anbieten.

Zu sehen wie Biere an verschiedenen Hähnen in den Pubs hängen erfüllt sie mit Stolz. Genauso ist es wenn Barbesitzer aus entfernten Orten wie Girona angefahren kommen um Fässer mitzunehmen. Manchmal ist es sogar schwer für die beiden zu realisieren was da gerade passiert. Daraus ergibt sich ein besonderer Drive, der sie weiter anspornt eine der besten Brauereien Spaniens zu werden. Ein Vorhaben das unmöglich allein zu bewerkstelligen wäre. „Gerade deshalb sind sie so dankbar für die vielen Menschen die hinter ihnen stehen. Wir sehen unsere 28 Mitarbeiter eher als ein Kollektiv aus Experten mit dem wir gemeinsam einen Traum verwirklichen. Wir können nur tun was wir tun weil wir so viele gute Leute hinter uns haben. Dies bezieht sich nicht nur auf das Brauen, sondern auch auf den ganzen Rest der Wertschöpfungskette.“ Das Ziel das ihre Bier in jedem Viertel von Barcelona erhältlich ist klingt sicher ambitioniert aber wie heißt es noch so schön: „Wer seine Ziele erreicht, hat sie nicht hoch genug gesteckt!“

 

Bitte gib die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.