Oud Beersel - Eine Traditionsbrauerei im kreativen Umbruch

Von: Björn Löhnhardt

Schon als kleiner Junge betritt Gert Christiaens zum ersten Mal die Brauerei, die viele Jahre später zum Mittelpunkt seines Lebens werden soll. Zu verdanken hat er dies der Schwäche seines Vaters Jos für einen der faszinierendsten Bierstile überhaupt, dem Lambik. Die Christiaensens selbst stammen aus der ländlichen Region rund um die belgische Hauptstadt Brüssel, hier ist ein lambiktrinkender Vater nichts Ungewöhnliches, hat der Bierstil selbst schließlich hier seine Wurzeln.

Ende des 19. Jahrhunderts gab es in vielen Dörfern des Brüsseler Umlands Brauereien, die sich auf die Produktion von spontanvergorenen Bieren spezialisiert hatten. Die äußeren Bedingungen in dieser Gegend waren für die Herstellung des einzigartigen Bierstils besonders ausschlaggebend und geeignet. Wilde Hefen, in diesem Fall Brettanomyces, die zum Beispiel auf Obstschalen entstehen, verleihen den Bieren säuerlich brotige Noten von Zitrusfrüchten und andere komplexe Aromen, die von Bauernhof über Pferdedecke bis hin zum feuchten Keller reichen können. Nur wer einmal die Gelegenheit hatte einen Lambik zu probieren, kann verstehen, wie wunderbar harmonisch diese auf den ersten Blick merkwürdige Kombination verschiedener Aromen sein kann.

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(Gert Christiaens mit seinen Bieren ©Oud Beersel )

Mit Sicherheit besonders viel mit Lambik anfangen konnte ein gewisser Henri Vandervelden. Anders lässt es sich sonst wohl kaum erklären, dass er 1882 den Entschluss fasste, im beschaulichen Beersel eine eigene Brauerei zu eröffnen. Henri konnte in den Jahren zuvor schon bei der Brouwerij De Kroon erste Erfahrungen mit der Lambik-Herstellung sammeln. Die Brauerei wird auf den Namen Oud Beersel getauft und Vandervelden gelingt es in den folgenden Jahren sich mit seinen Bieren zu etablieren. Sein Sohn Egidius übernimmt Anfang des 20. Jahrhunderts die Geschicke und trifft eine für die Zukunft Oud Beersels wegweisende Entscheidung: Er braut 1930 zum ersten Mal die gesüßte Version eines Krieks und füllt diese in Flaschen ab. Über die nächsten Jahrzehnte hinweg wächst die Brauerei sehr gemächlich aber beständig. Egidius verstirbt 1953 in relativ jungen Jahren, so dass sein Sohn Henri II schon früh die Leitung der Brauerei übernehmen muss. Er erweitert die Kapazität auf 50 Hektoliter und verwandelt die Brauerei 1973 in das erste lebendige Lambik-Museum. Bis ins Jahr 1991 ist Oud Beersel im Besitz der Familie Vandervelden, dann geht der bisherige Chef der Brauerei Henri II in Rente.

Sein Sohn Hubert hat kein Interesse daran, die Familienbrauerei zu übernehmen und so wird Oud Beersel weiterverkauft und dümpelt in den Folgejahren etwas vor sich hin. Das Brauen der Sude wird Anfang der 2000er an Boon ausgelagert, welche bis zum heutigen Tag diesen Prozess für Oud Beersel übernimmt. Als sich der neue Eigentümer 2003 zurückzieht, macht sich Henri II auf die Suche nach einem Nachfolger. Der kleine Junge, der viele Jahre zuvor seinen Vater beim Bierkauf in Beersel begleiten durfte, ist mittlerweile erwachsen geworden und die kleine Brauerei ist immer noch sein absoluter Favorit. Gert kontaktiert Henri II und man wird sich schnell einig. Oud Beersel wird 2005 wiedereröffnet und da guter Lambik bekanntlich auch Zeit braucht, braut man parallel zu spontanvergorenen Bieren auch etwas massentauglicheren Tripel (Bersalis). Doch der Fokus und die Leidenschaft von Gert liegen ganz eindeutig beim Lambik, so ist es 2006 dann auch nur logisch, dass er dem prestigeträchtigen HORAL beitritt. Gemeinsam mit seinem Vater Jos, der 2007 zum Team stößt und sich hauptverantwortlich um den Vertrieb kümmert, bringt er die Brauerei zu neuem Ruhm. Nachdem also vor über 130 Jahren die Familie Vandervelden die Brauerei groß machen konnte, darf sich nun die Familie Christiaens daran versuchen, Oud Beersel erfolgreich ins neue Jahrtausend zu bringen. Und das mit riesigem Erfolg: Ein Jahr nach Eröffnung sind die ersten Frucht-Lambiks fertig und man gewinnt schnell erste Auszeichnungen.

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(Blick in die Fasslagerung ©Oud Beersel)

In den kommenden Jahren wird weiterhin ausgiebig in die Kapazität und das Equipment der Brauerei investiert. Dass der reine Brauprozess bei einer anderen Brauerei mit größerer Kapazität durchgeführt wird ist in der Lambikszene nicht ungewöhnlich. Die Kunst besteht ohnehin vor allem im Bereich der Fasslagerung und dem Blenden von verschiedenen Fässern. Erst so erhält jeder Lambik die Handschrift seines Blenders. Oud Beersel zeichnet sich durch besonders schön balancierte Lambiks aus, bei denen die Säure eher etwas reduzierter ist, gerade im Vergleich zu Blendern wie De Cam. Diese subtilen und angenehm trinkbaren Lambiks werden auch durch eine strikte Temperaturregulierung innerhalb der Lagerräume erreicht – so reifen die Fässer in einer Umgebung von exakt 15 Grad Celcius. Neben traditionellen Lambiks wie einer Geuze oder einem Kriek, stechen vor allem die experimentellen Biere von Oud Beersel heraus. Beim Green Walnut handelt es sich z.B. um einen Blend von 1- und 2-jährigem Lambik, der auf frischen grünen Walnüssen gelagert wird. Der Bzart Kriekenlambiek ist die Hochzeit zweier glorreicher Traditionen: die „Méthode Traditionell“ trifft auf Spontanfermentation.

Diese und viele andere Biere gibt es seit Kurzem bei uns im Onlineshop und natürlich auch in unserem Store in Hamburg.

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