Siren Brewing - Wie gründet man eine Brauerei?

Text: Deniz Jaspersen

Egal wie groß du dir deine Brauerei vorstellst, verdoppele sie. Und wenn du es dir leisten kannst: verdreifache sie! Diesen Rat hatte Jasper Cuppaige von Camden Brewery für Darren Anley. Beide trafen sich 2011 auf der CBC in San Diego. Darren hatte gerade seine IT Firma verkauft und als Craft Beer Enthusiast spielte er mit dem Gedanken, eine Brauerei zu eröffnen. Ursprünglich war sein Plan ja, erst mal nichts zu machen. Für ihn war das aber gar nicht so einfach. Also reiste er kurzerhand in die Staaten, um sich inspirieren zu lassen. Aber was meinte Jasper eigentlich als er Darren riet möglichst groß zu denken?

Eine Brauerei zu eröffnen ist keine besonders einfache Angelegenheit. Die Anschaffungskosten der Anlage sind sehr hoch, ganz zu schweigen von der Fläche, die man anmieten muss, um diese unterzubringen. Der geneigte Craft Beer Connaisseur vermutet dahinter möglicherweise industriellen Größenwahn. Allerdings lassen sich bereits hier Skaleneffekte beobachten. Die Anschaffung einer 20hl-Anlage ist im Verhältnis nämlich nicht mehr soviel teurer als eine 10hl Anlage, das Potential der Brauerei aber entsprechend größer. Dem Rat folgend hat Siren ihre ursprünglichen Ambitionen verdreifacht und schaffte sich eine 50hl Anlage an, was für eine neu gegründete Brauerei schon sehr groß ist und entsprechende Kapazitäten mit sich bringt. Wenn man mehr Bier hat, kann man mehr Bier verkaufen. Klingt logisch, geht aber nicht ganz ohne Risiko. Am Anfang kann es sein, dass man nicht alles loswird und das Bier aufgrund der kurzen Mindesthaltbarkeitsdaten abläuft. Außerdem muss man entsprechend Biere brauen, von denen man auch viel trinken kann. Allerdings ist der Zeitaufwand um einen Liter Bier zu brauen genauso hoch wie für 10.000 Liter Bier. Es kann sich also durchaus lohnen, das Risiko einzugehen.

Daren bekam aber noch einen guten Rat. Dieser kam von Kelly Ryan, der damals bei Thornbridge arbeitete. Egal wie gut du als Heimbrauer bist, hol die einen Brauer, dem du vertraust und lass ihm absolute Freiheit. Fündig wurde Darren schnell mit Ryan Witter-Merithew, einem Amerikaner, der gerade bei Fano Bryghus in Dänemark braute. Für Siren ließ er die Inselbrauerei hinter sich und zog nach England. Sie entwickelten 5 Kernbiere mit denen sie die ganze Bandbreite der gängigen Stile abbildeten. Ihr Ziel war, amerikanisch inspirierte Biere mit einem speziellen Twist zu kreieren. Dabei achteten sie nicht nur auf eine hohe Trinkbarkeit, sondern auch darauf, dass der Alkoholgehalt nicht zu hoch ausfällt. Denn auch Durchschnittstrinker sollten in der Lage sein mehr, als nur ein paar davon zu bestellen.

Obwohl die Ziele von Siren von Beginn an ambitioniert waren ist Experimentieren ein zentraler Bestandteil des Brauens. Eine gewisse „Scheiß drauf, lass machen Mentalität“ prägte die Brauerei, die über die Jahre mit vielen spannenden Kreationen überraschen konnte. Nach eigenen Aussagen hat sich Ryan nie viel für Wasser- oder Bierchemie interessiert. Er ist keine Laborratte, sondern Brauer, der weiß wie man Zutaten in Bier verwandelt. Im Grunde wurde bisher schon fast alles verbraut, was an Bäumen oder Sträuchern wächst. Kaffee und Feigen kommen ins Turkish Stout, Pfirsich und Kirschen ins Three Little Fonzies. Im Zweifel findet auch der Baum selbst Verwendung. So geschehen beim Kentucky Tickle Monster bei dem Zedernholz mit verarbeitet wurde. Für die Köche vom Nordic Food Lab in Kopenhagen, einem Restaurant, das sich auf das zubereiten von Insekten spezialisiert hat, gingen sie noch weiter. Hier wurde ein Oatmeal Stout mit einem Kilo Mehlwürmern verfeinert. Für Crema, ein weißes Stout, wurden die noch grünen Kaffeebohnen in Whiskey eingelegt, anschließend geröstet und dann verbraut.

Gleichzeitig hat Siren einen starken Fokus auf Barrel Ageing. Das Lager fasst mittlerweile etwa 400 Fässer. Eine ihrer erfolgreichsten Kreation aus diesem Bereich ist das Lemonchello IPA, das im Bourbonfass gereift ist. Das IPA wurde im Brauprozess mit Limonenzeste verfeinert und erinnert nach der Reifung geschmacklich an einen Whiskey Sour. Ist es also vielleicht doch möglich, dass eine große Brauerei seine Experimentierfreude behält und so die Grenzen weiter verschiebt? Obwohl Ryan mittlerweile wieder in die USA zurückgezogen ist um bei Hill Farmstead zu arbeiten bleibt Siren auch nach über 300 Bieren dieser Linie treu.

Das zeigt unter anderem auch das Rainbow Project. Neben dem Experimentieren sind auch Kollaborationen ein wichtiger Bestandteil im Konzept von Siren. So wurde 2013 das Rainbow Projekt ins Leben gerufen. Die Idee war zunächst, Brauereien zu finden, von der jede ein Bier in einer bestimmten Farbe des Regenbogens braut. Das Ergebnis wurde dann bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Öffentlichkeit vorgestellt. Nach dem großen Erfolg des Projekts wurden bereits im folgenden Jahr zwei Brauereien je einer Farbe zugeteilt. Die Teilnehmerliste liest sich in jedem Fall schon vielversprechend. Modern Times, Beavertown, Jester King, Magic Rock und viele weitere erstklassige Brauereinen werden die Biere im September, allerdings leider nur in England, vorstellen. Alle anderen müssen sich dann mit den Bieren zufriedengeben, die hierzulande erhältlich sind. Glücklicherweise hat Beyond Beer grad ordentlich aufgestockt.

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